Nachruf Gerlinde Haid

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass die Volksmusikforscherin Frau emer. Univ.-Prof. Dr. Gerlinde Haid am 29.11.2012 nach schwerem Leiden in Innsbruck verstarb. Sie war für viele Wissenschaftler und Musikanten gleichsam Vorbild, Lehrerin wie auch Freundin.

Von 1976 - 1998 wirkte sie im Österreichischen Volksliedwerk als Generalsekretärin. Sie war in dieser Funktion maßgeblich an der Systematisierung der Sammelbestände der Volksliedarchive in Österreich beteiligt. Dieses System INFOLK (Informationssytsem für Volksliedarchive in Österreich) beinhaltet anerkannte Definitionen zur Volksmusik, auf Basis derer der virtuelle Archivdatenbankverbund aller Volksliedarchive aufgebaut ist.

Sie war Initiatorin der Enzyklopädie Corpus Musicae Popularis Austriacae, die seit 1993 unter der Leitung von Walter Deutsch heraus gegeben wird.

Während ihrer Tätigkeit im Österreichischen Volksliedwerk entstanden bei zahlreichen Feldforschungen in den Bundesländern unzählige Tonaufnahmen, die heute als musikalische Denkmäler einer Region und Zeit einen wesentlichen Bestand des Österreichischen Volksliedarchivs darstellen.

2010 wurde sie auf Grund ihrer Forschungen zur Musica Alpina ( zusammen mit Hans Haid herausgegebene achtteilige CD-Edition MUSICA ALPINA 1993-2009 mit Aufnahmen aus dem gesamten Alpenraum) und zur Rolle der Frau in der Volksmusik mit dem Walter Deutsch Preis des Österreichischen Volksliedwerks ausgezeichnet.
Vita
Gerlinde Haid wurde am 19. April 1943 in Bad Aussee in der Steiermark geboren.
1965 Abschluss Lehramtsstudium Musikerziehung und Germanistik
1974 Doktorat in Volkskunde und Musikwissenschaft
1979 gemeinsam mit Hartmann Goertz Liederbuch “Die schönsten Lieder Österreichs”.
1966 - 1976 Assistentin am damals  gegründeten “Institut für Volksmusikforschung” (Leitung: Prof. Walter Deutsch) an der heutigen “Universität für Musik und darstellende Kunst Wien”
1976-1989 Generalsekretärin des “Österreichischen Volksliedwerkes” in Wien.
1989-1994 Assistentin am “Institut für Musikalische Volkskunde” (Leitung: Prof. Dr. Josef Sulz) der heutigen “Universität Mozarteum Salzburg” mit Sitz in Innsbruck.
1992-2006 Obfrau des von ihr und ihrem Ehemann Prof h.c. Dr. Hans Haid gegründeten “Instituts für Volkskultur und Kulturentwicklung” (ivk) in Innsbruck.
1994-2011 Lehrkanzel für Geschichte und Theorie der Volksmusik an der “Universität für Musik und darstellende Kunst Wien”. In dieser Funktion Leitung des “Instituts für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie”.
2002-2007 Leitung des “Österreichischen Nationalkomitee im ICTM” (International Council of Traditional Music).
2003“ Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse”
2010 Walter Deutsch Preis

Mag.Irene Egger, Geschäftsleitung Österreichsiches VolksLiedWerk